Wurmkompost Bauanleitung

Was ist ein Wurmkompost?

Das ist eine Kiste, in der Kompostwürmer zuhause sind, welche die Rüstabfälle in Komposterde verwandeln.

Wofür braucht man einen Wurmkompost?

In die Kiste kann man Küchenabfälle (sollten nicht gewürzt und v.a. nicht gesalzen sein (am besten roh)) geben und die Würmer fressen diese. Dadurch entsteht Komposterde, die man wiederum im Garten oder auch für Balkon- oder Zimmerpflanzen als Dünger brauchen kann. Anstatt also Komposterde kaufen zu gehen, die möglicherweise von weit weg kommt und in Plastik verpackt ist, verwertet man ganz einfach die eigenen Rüstabfälle. Dadurch braucht es auch keinen (synthetischen) Dünger mehr.

Je nachdem wie du lebst musst du also auch nicht mehr an die Grünabfuhr denken. Das ist z.B. auch etwas, was wir immer wieder vergessen und dann steht der stinkige Kompostkübel noch für eine weitere Woche bei uns in der Wohnung.

Du sparst also:

  • Zeit
  • Geld
  • Treibstoff falls du mit dem Auto Komposterde oder Dünger kaufen gegangen bist oder zur Kompoststelle fahren musst
  • den Gedanken an die Grünabfuhr

Wie funktioniert ein Wurmkompost?

Wir haben uns eine Kiste aus Abfallholz gebaut. Falls man keinen Zugang zu (genügend) Abfallholz hat, sollte man unbedingt darauf achten, dass man einheimisches Holz aus nachhaltiger Holzwirtschaft verwendet, damit die Transportwege möglichst klein gehalten werden können. Natürlich sollte das Holz auch genug dick und stabil sein.

In der Mitte der Kiste befindet sich ein Trennbrett mit Löchern darin, damit die Würmer auf der linken und rechten Seite arbeiten können. Man beginnt auf der einen Seite und sobald diese mit Erde gefüllt ist gibt man die Abfälle auf die andere Seite. Dann wandern die Würmer durch die Löcher auf die neue Seite und man kann die Erde entnehmen. Vergesst nicht darauf zu achten, dass alle Würmer in der Kiste bleiben. Zum «Warum?» komme ich später noch.

Sobald man die Kiste hat gibt man Kompostwürmer hinzu. Diese holt ihr am besten bei jemanden, der bereits einen gut funktionierenden Kompost besitzt. Auf keinen Fall einfach normale Regenwürmer hinzugeben, diese können mit unseren Küchenabfällen nicht das anfangen, was wir brauchen.

Sobald die Kiste bewohnt ist gibt man die Küchenabfälle möglichst klein geschnitten zu den Würmern in die Kiste, somit haben sie es einfacher, die Pflanzen zu fressen. Zusätzlich gebt ihr unbeschichteten Karton hinein, den brauchen sie als Zuhause oder als Futter, falls mal keine Abfälle vorhanden sein sollten. Zusätzlich nimmt er auch die Feuchtigkeit sehr gut auf und verhindert somit, dass es zu nass wird oder verhindert das Austrocknen.

Bauanleitung Wurmkompost

Eine genaue Anleitung kann ich euch nicht geben, da es in meinen Augen sinnvoll ist, seiner eigenen Kreativität freien Lauf zu geben. Ich möchte euch dazu animieren, mit den euch bereits vorhandenen Materialien zu arbeiten und möglichst nichts dazu zu kaufen, das lohnt sich nämlich nicht (-; Leiht euch die Geräte die ihr braucht bei Nachbarn oder Freunden aus, falls ihr sie nicht schon selbst habt.

Am Schluss solltet ihr eine Kiste haben, die genug gross ist, um eure anfallenden Abfälle zu verwerten. Wie gross oder klein das ist, entscheidet ihr selbst.

Ich erzähle euch nun, wie wir die Kiste gemacht haben:

  1. Wir hatten Abfallholz aus einer Gärtnerei und einer Kistenfabrik zur Verfügung. Wir halten grundsätzlich nichts von Tropenholz, doch in diesem Fall wäre es einfach weggeworfen worden, daher besteht unsere Kiste bis auf den Deckel, die Trennwand und deren Führungsschienen aus Tropenholz.
    Der Vorteil: Es ist sehr stabil und langlebig.
    Der Nachteil: Es ist wahnsinnig schwer.
    Es waren Latten, die im Gartenbau für Bodenbeläge gebraucht werden und daher genug dick, so dass man sie gut zusammenschrauben konnte. Wir haben uns 6 Latten à 70cm und 6 à 50cm mit einer Stichsage zurechtgeschnitten (3 für jede Seite).
  2. Um die Hölzer zusammenzuschrauben haben wir noch 4 Holzpfosten zurechtgeschnitten. Sie waren so hoch wie 3 der Latten aufeinander.
  3. Nun haben wir die 2 langen Seiten gemacht. Also je 3 der langen Latten an 2 Holzpfosten festgeschraubt.
  4. Danach verbanden wir die 2 langen Wände mit den kurzen Latten.
  5. Der Boden wurde ebenfalls mit diesen Latten gemacht.
  6. Damit man den Kompost gut heben und hinstellen kann, befestigten wir unten noch 2 der Holzpfosten, somit kann man gut unter die Kiste greifen und klemmt sich beim hinstellen nicht die Finger ein.
  7. Eine Trennwand wurde zurechtgeschnitten und durchlöchert.
  8. Laufschienen/ Führungsschienen für die Trennwand eingebaut.
  9. Deckel zurechtgeschnitten und passend gemacht.
  10. Da durch das zusammenschrauben der Latten Spalte vorhanden waren, war unsere Idee, diese mit Epoxidharz zu verschliessen damit keine Erde, Flüssigkeit oder Würmer nach unten durchfallen können. Epoxidharz aus dem Grund, weil es nach dem austrocknen ungiftig ist. Dies ist jedoch nicht so verlaufen wie wir uns das vorgestellt haben. Daher haben wir die Spalten dann doch mit Silikon versiegelt.

 

 

 

 

 

Nachdem das Silikon gut getrocknet ist, haben wir bei meinen Eltern im Garten den Kompost umgegraben um an unsere Würmchen zu gelangen. Nun leben sie seit ein paar Tagen in unserer Kiste (zusammen mit ein wenig normaler Erde, Rüstabfällen und Karton) und wir sind gespannt, wie das Ganze funktioniert.

Im Übrigen könnt ihr den Kompost auch noch für anderes verwenden, z.B. als Sitzgelegenheit. Dafür aber genug stabiles Holz nehmen.

Stinkt ein Wurmkompost nicht?

Wenn es richtig gemacht ist, sollte der Kompost überhaupt nicht stinken. Die Würmer sollten den Abfall fressen, bevor er zu vergammeln beginnt. Sind zu wenig Würmer bzw. zu viel Abfall vorhanden haben die Pflanzen natürlich Zeit zu gammeln. Sie beginnen dann zwar zu schimmeln, aber scheinbar fressen die Würmer auch den Schimmel. Falls du allergisch gegen Schimmel bist, solltest du das allerdings versuchen zu vermeiden.

Wenn er nach Walderde duftet, habt ihr alles richtig gemacht.

Woher bekommt man was?

Für Abfallholz könnt ihr z.B. Gärtner, Schreiner, Fabriken und ähnliche Fragen.

Bohrer und Sägen am besten von einem Nachbarn oder Freunden ausborgen. Extra kaufen lohnt sich meist nicht und irgendjemand in eurer Umgebung hat sicher etwas rumliegen, das ihr brauchen könnt.

Schrauben und Silikon bekommt ihr günstig im Baumarkt.

Unsere Kiste hat uns daher nur ein wenig Zeit, ein paar Schrauben und Silikon gekostet (und Epoxydharz, das werden wir hierfür aber definitiv nicht mehr verwenden).

Was ist sonst noch wichtig?

Sobald die Erde vorhanden ist unbedingt warten bis die Würmer auf der neuen Seite sind und die Erde beim rausnehmen gut kontrollieren, ob auch wirklich kein Wurm mehr drin ist, da die Würmer in Töpfen z.B. bei Nahrungsknappheit die Wurzeln der Pflanzen fressen und man die Würmer natürlich auch in der Kiste behalten möchte.

Und in meinen Augen ein ebenfalls sehr wichtiger Punkt: mach den Kompost einfach, auch wenn du nicht genau weisst wie es funktioniert. Alles was in diesem Text steht ist mein theoretisches Wissen und ein paar Dinge, die ich beim Bauen gemerkt habe. Bis vor kurzem wusste ich nicht einmal, dass es einen Wurmkompost gibt. Den im Garte kenne ich von klein auf, aber dieser jetzt war mir total neu. Du wirst mit der Zeit ein Gefühl dafür bekommen, was den Würmern gut tut und was du besser lassen solltest. Wenn es dir eine Hilfe ist, kannst du auch alles akribisch aufschreiben. Du musst es jedoch einfach wagen! Und das gilt für sehr viele Dinge. Was ist auch das schlimmste, was passieren kann, wenn es schiefgehen kann? Da gibt’s eine lange, lange, laaaange Liste. Was davon ist aber wirklich tragisch? Und warum fragt man sich nicht vor allem was das positive dabei ist? Was kann alles passieren, dass gut ist, dass dein Leben positiv beeinflusst?

Was passiert überhaupt mit unseren Küchenabfällen nachdem sie von der Grünabfuhr geholt wurden?

Bei uns ist es so, dass die Küchenabfälle in eine Grüngutverwertungsanlage kommen. Dort werden sie sortiert, gemischt und zerkleinert. Danach sind sie für einige Wochen in einer Halle, in welcher sie vollautomatisch bewässert, belüftet und gewendet werden. Am Schluss wird der Kompost gesiebt und für die Abnehmer bereit gemacht. Ein Teil des aussortierten Abfalls wird allerdings auch für die Biogasproduktion verwendet. Holz wird für Heizkraftwerke zerkleinert.

Ist das nicht auch ökologisch?

Wir entnehmen der Erde Biomasse in Form von Früchten, Gemüse, Wurzeln, Knollen etc. und somit auch die Nährstoffe. Daher sollten wir versuchen den Kreislauf so natürlich wie möglich zu halten um der Erde das zurückzugeben, was wir ihr genommen haben. Was ist also ökologischer, als ein Wurmkompost? Schlussendlich gibt es nur etwas, das ökologischer ist: Die Rüstabfälle direkt in der Natur zu lassen und ihnen dort den natürlichen Kreislauf zu lassen. Doch da wir überall eingreifen und uns die Natur künstlich in den Garten, auf den Balkon oder ins Haus holen, macht es Sinn, die Nährstoffe so zu verwenden, denn auch diese Pflanzen brauchen die Nährstoffe irgendwoher.

In der Grüngutverwertungsanlage wird zwar auch Kompost hergestellt, jedoch alles anhand von Maschinen. Das braucht wiederum Ressourcen wie Strom, Platz, Materialien für neue Maschinen und deren Wartung, Ausbau etc. Der Weg vom Haushalt zur Anlage braucht Fahrzeuge, Sprit, Wartung der Fahrzeuge und der Anlagen und es werden ja auch immer wieder neue Fahrzeuge angeschafft, was wiederum sehr viele Ressourcen braucht. Und danach wird der Kompost wieder verschoben und möglicherweise weiter aufbereitet (z.B. in Plastiksäcke abgepackt) und das braucht wieder Zeit, Geld und Ressourcen.

Für was braucht man Biogas?

Biogas wird zur Stromerzeugung gebraucht. Dies geschieht wiederum mit vielen Fahrten von Lastwagen, das braucht wiederum viele Ressourcen und in der Fabrik angekommen warten wieder hochtechnisierte Maschinen, die alles regulieren und steuern. Das braucht wieder Strom und Platz. Wie ihr seht, drehen wir uns im Kreis. Die Argumente sind überall etwa dieselben.

Fazit und weitere Projektideen

Schlussendlich ist es dennoch sehr empfehlenswert, dass man Grüngut kompostiert. Egal ob man es nun selbst mit einem (Wurm-)Kompost oder via Grünabfuhr macht. Denn wenn es im normalen Kehricht landet wird es einfach verbrannt und die Nährstoffe gehen flöten.

Für einen kleineren ökologischen Fussabdruck lohnt sich ein Wurmkompost auf alle Fälle. Und es macht auch Spass, die Kiste zu bauen und zu beobachten, wie es am besten funktioniert.

Wir werden jetzt zuerst beobachten müssen, wie sich unsere erste Wurmkiste entwickelt.

Sobald wir allerdings wissen, wie es am besten klappt, werden weitere Kisten gebaut. Eine grössere ist in Planung, damit wir sie allen Nachbarn zur Verfügung stellen können (die freuen sich bereits und sind auch schon gespannt). Falls dies funktioniert und gut ankommt, ist unser Idee, die Kisten in der ganzen Stadt zu verteilen. Unser Ziel ist es, dass die Leute dadurch zum Nachdenken angeregt werden, mithelfen und auch davon profitieren können.

Erfahrungsbericht

Hier kannst du Claudia’s Erfahrungen mit dem Wurmkompost live miterleben 😉

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